Theateraufführung einer Gemeinderatssitzung als Ein-Mann-Stück
Adrien Barazzone spielt in einem Ein-Mann-Stück eine Gemeinderatssitzung nach.
Ein Rednerpult, fünf Stühle, ebenso viele Mikrofone – und schon befinden wir uns mitten in einer Gemeindesitzung, die lebensechter nicht sein könnte. Auf der Tagesordnung steht eine heikle Frage: Soll die Statue von Woodrow Wilson entfernt und an ihrer Stelle ein etwas konzeptuelles Kunstwerk mit dem Titel „Papierkugel” aufgestellt werden? Die Debatte ist eröffnet und die Gemüter erhitzen sich. Die Bedeutung von Symbolen, Erinnerung und Schönheit, aber auch Wokismus, Radwege, kleine Geschäfte ... alles wird zum Gegenstand verbaler Auseinandersetzungen. Allein auf der Bühne lässt Adrien Barazzone eine ganze Galerie von Figuren entstehen, von der unermüdlichen Schwätzerin über den schwächlichen Präsidenten bis hin zu einigen exaltierten Stadträten. Zwischen Wutausbrüchen, Gähnen und falschen Argumenten inszeniert der Schauspieler diese politische Kakophonie mit Scharfsinn und Zärtlichkeit. Unabhängig vom Ausgang der Abstimmung liegt das Wesentliche woanders, in diesem burlesken Spiegel, in dem unsere kollektiven Widersprüche zur Schau gestellt werden und in dem wir feststellen, dass Lachen vielleicht die schönste Revolution ist.